80 Jahre Unimog
Mit Mut zur Möglichkeit.
Am Anfang war der Mut. Und die Überzeugung. 1946 war Albert Friedrich fest entschlossen, ein Fahrzeug für alles zu entwickeln: Robust wie ein Traktor, schnell wie ein Auto und vielseitig wie ein Werkzeug sollte es sein. Sein Plan ging auf: Das Universal-Motor-Gerät war geboren.
Im eisigsten Winter wie auch im trockensten Sommer, auf 1.000 m Höhe oder bis zu 1,20 m tief im Wasser: Seit 80 Jahren schultert der Unimog Schwerstlasten, löscht Waldbrände, zieht Güterzüge und erledigt zuverlässig die anspruchsvollsten Aufgaben für Kommunen und Privatunternehmen.
Wandelbarkeit und der Wille, das Unmögliche möglich zu machen. Das sind die beiden Eigenschaften, die den Unimog definieren, ihn unvergleichlich machen und die beeindruckende Erfolgsstrecke erklären, die er bis zum heutigen Tag zurückgelegt hat.
Unimog Geschichte(n) hautnah

1946–1955
Die Unimog Anfangsjahre und erste Erfolgsmodelle.
Ingenieurskunst und Pioniergeist.
Seit nunmehr 75 Jahren steht der Unimog wie kein anderes Fahrzeug für Effizienz, Flexibilität und legendäre Offroad-Eigenschaften. Den Grundstein für diese Erfolgsgeschichte legten findige Ingenieure, deren Ziel es war, die Vielseitigkeit des Universal-Motor-Gerätes so nutzbar wie möglich zu machen.

Die Geburtsstunde des Unimog.
Albert Friedrich ist einer dieser Gründerväter des Unimog. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte der ehemalige Leiter der Daimler-Benz Flugmotorenfertigung den enormen Bedarf an Agrar-Schleppern für Klein- und Mittelbetriebe in der deutschen Landwirtschaft. Neben der Geländetauglichkeit stand dabei die einfache Umrüstbarkeit für vielfältige Aufgaben im Vordergrund.
Auf dem Gelände der Firma Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd entwickelte und testete ab 1946 ein engagiertes Team rund um die Ingenieure Albert Friedrich, Heinrich Rössler und Hans Zabel erste Prototypen für ein solches Nutzfahrzeug. Hans Zabel war es auch, der aus dem etwas sperrigen Projektnamen „Universal-Motor-Gerät für die Landwirtschaft“ die griffige Abkürzung „Unimog“ machte.

Der Boehringer Unimog wird produziert.
Am Schluss der Entwicklungsphase stand ein Fahrzeug mit Allradantrieb, Differenzialsperren und Portalachsen, das allen Anforderungen an Transportleistung und Zugkraft genügte und dennoch mit 50 km/h schnell war. Zudem konnten an allen Seiten Anbaugeräte installiert werden – ein klarer Vorteil zum klassischen Schlepper, der lediglich am Heck eine entsprechende Möglichkeit bot. Beim Motor setzte man auf den OM 636 von Daimler-Benz, der als robuster Dieselmotor gleichzeitig einen kostengünstigen Betrieb gewährleistete.
Im Jahr 1948 wurde der Unimog dann erstmals einem Fachpublikum auf der DLG-Messe in Frankfurt präsentiert. Dort stiess er nicht zuletzt aufgrund seiner überzeugenden Fahreigenschaften im Gelände und auf der Strasse, der leichten Bedienung und der grossen Vielseitigkeit auf sehr positive Resonanz. Im selben Jahr erfolgte die erste Serienfertigung im Werk der Gebrüder Boehringer in Göppingen, die bereits Gussteile für die Prototypen geliefert hatten. Das Markenzeichen der ersten Baureihe 70200, von der etwa 600 Fahrzeuge produziert wurden, ist das Ochsenkopf-Logo. Noch bis heute gibt es etwa 120 Boehringer Unimog aus dieser Zeit – viele davon sind noch einsatzbereit.
Gaggenau wird Heimat des Unimog.
Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Unimog, zunehmend auch ausserhalb von Deutschland, reichten die Produktionskapazitäten von Boehringer schon bald nicht mehr aus. Es wurde ein Übernahmevertrag mit Daimler-Benz geschlossen und 1951 begann schliesslich die Produktion im Lkw-Werk in Gaggenau. Mit nur geringen Modifikationen an dem Fahrzeug, das weiterhin als „Unimog 25 PS“ vermarktet wurde, konnten mit der neuen Baureihe 2010 dank rationellerer Fertigungsprozesse deutlich mehr Unimog vom Band rollen. So wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres 1951 in Gaggenau bereits knapp über 1.000 Unimog produziert.
Verbesserte Nebenabtriebe ermöglichten neue Einsatzmöglichkeiten in der Forstwirtschaft, aber auch bei Feldarbeit. So waren Arbeiten, für die zuvor viele Hände benötigt wurden, plötzlich im Ein-Mann-Betrieb zu erledigen. Weitere Einsatzmöglichkeiten des Unimog als Feuerwehr-Hilfsfahrzeug oder beim Wegebau kamen schnell hinzu.
Die Unimog Baureihen U 401 und 402.
Ab 1953 fertigte Daimler-Benz in Gaggenau die neuen 400er-Serien des Unimog. Während beim U 401 der Radstand bei 1.720 mm blieb, wurde mit dem U 402 eine verlängerte Variante mit 2.120 mm eingeführt. Beide Modelle waren erstmals mit einem geschlossenen Fahrerhaus verfügbar. Ihre markanten Scheinwerfer brachten der Serie schon bald den Spitznamen „Froschauge“ ein. Und eine weitere wichtige Neuerung gab es: Ab diesem Zeitpunkt wurde statt des Ochsenkopfs der Mercedes-Benz Stern auf der Kühlerhaube montiert.
Wegen der geschlossenen Kabine und der Möglichkeit des Aufbaus von druckluftbetriebenen Kipppritschen interessierten sich neben Baufirmen, Post und Bahn nun auch Kommunen verstärkt für den Unimog. Denn das Fahrzeug konnte nicht nur während der milden Jahreszeiten für verschiedenste Aufgaben eingesetzt werden, sondern eignete sich darüber hinaus auch als perfektes Räumfahrzeug für den Winter. Über die Druckluftanlage liess sich eine noch grössere Palette an Anbaugeräten und Anhänger betreiben.
Die ausgezeichnete Qualität des Allround-Fahrzeugs sprach sich herum: Im Jahr 1954 erhielt der Unimog die begehrte Forstplakette für seine Einsatzfähigkeiten in der Forstwirtschaft. Und das war nur der Anfang einer langen Reihe von Auszeichnungen und Empfehlungen quer durch die verschiedensten Branchen.

1956–1965
Erfolgsmodelle und Leistungsplus.
Das Unimog Komplettprogramm entsteht.
Seit nunmehr 75 Jahren steht der Unimog wie kein anderes Fahrzeug für Effizienz, Flexibilität und legendäre Offroad-Eigenschaften. Im zweiten Teil unserer Chronik stellen wir Ihnen die gefeierten Baureihen vor, die im zweiten Jahrzehnt seines Bestehens den Unimog prägten – und die Basis für die breite Angebotspalette legten, die den Alleskönner von Mercedes-Benz bis heute auszeichnet.
Die Unimog Baureihe 411 bringt Leistungsplus.
Auf der DLG-Ausstellung 1956 in Hannover präsentierte Daimler-Benz mit der Unimog Baureihe 411 den Nachfolger der Baureihe 401/402. Wichtigstes Merkmal: mehr Leistung. So brachten die 30 PS das entscheidende Plus, um den steigenden Anforderungen in der Landwirtschaft zu genügen. Aber auch der Komfort kam nicht zu kurz: Neben verbesserten Sitzen kamen verstärkte Stossdämpfer bei der Baureihe 411 zum Einsatz.
Wie schon beim Vorgängermodell war ab Werk eine Version mit kurzem und langem Radstand erhältlich. Letztere erfreute sich sehr grosser Beliebtheit, da sie ab 1957 mit einem neu entwickelten Fahrerhaus ausgestattet werden konnten. Die Ganzstahlkabine bot deutlich mehr Platz als zuvor und bestach durch Daimler-spezifische Ausstattungsmerkmale und ein Design mit abgerundeten Kanten, das Massstäbe im Nutzfahrzeugbereich setzte.
Aufgrund seiner Wendigkeit, seiner vergleichsweise hohen Geschwindigkeit und der sehr guten Offroad-Fähigkeit, setzte man den Unimog zunehmend für Transportaufgaben ein. Die vorne und hinten verfügbaren Zapfwellen boten Anwendern beste Voraussetzungen für den flexiblen Einsatz von Sägen, Pumpen, Seilwinden und anderem Gerät.

Dienst im Gelände.
Aufgrund seiner überragenden Geländefähigkeiten, für die auch Böschungswinkel von 45° nach vorne und hinten kein Problem darstellen, interessierten sich ab Mitte der 1950er-Jahre auch zunehmend Armeen für den Unimog. Mit dem Unimog S (Baureihe 404) entstand ein Fahrzeug, das deren hohen Anforderungen gerecht wurde. Der Unimog S verfügte über eine grosse Ladefläche, die wahlweise als Pritschen- oder Kofferaufbau realisiert werden konnte. Im Unterschied zu zivil genutzten Unimog jener Zeit setzte man auf PS-starke Benzinmotoren.
Die zahlreichen Varianten des Unimog S wurden bis 1980 in Gaggenau produziert – mit 64.242 Fahrzeugen ist diese Baureihe bis heute die erfolgreichste. So erfreute sich die Baureihe 404 auch bei Feuerwehren grosser Beliebtheit.

Technischer Fortschritt am laufenden Band.
Die laufende Verbesserung des Fahrzeugs und seiner Komponenten brachte den Unimog immer weiter voran. Nach dem Motto: Evolution statt Revolution. So kamen ab Ende der 1950er-Jahre leistungsstärkere Druckluftbremsen zum Einsatz, die Lenkung wurde verbessert und ein hydraulischer Kraftheber eingeführt. Im Jahr 1959 erfolgte dann eine echte Premiere im Nutzfahrzeugbereich: Das vollsynchronisierte 6-Gang-Getriebe, das bereits seit 1957 im Unimog 411 als Sonderausstattung verbaut wurde, ging in die Serienausstattung. Es machte Schaltvorgänge nicht nur komfortabler als das zuvor verwendete Klauengetriebe, sondern auch effizienter. Auf Wunsch waren ausserdem mehrstufige Kriechgang-Getriebe für Unimog erhältlich.
Der grosse Bruder: die Unimog Baureihe 406.
Auf der DLG-Ausstellung 1962 feierte Daimler-Benz erneut eine Unimog Premiere. Mit dem Unimog 406 wurde die „schwere Baureihe” mit verbreiterter Spur und größerem Radstand eingeführt, die dem Bedarf nach immer grösseren und leistungsfähigeren Ackermaschinen gerecht wurde. Der gedrosselte Diesel-Motor schaffte 65 PS, war aber so ausgelegt, dass er diese Leistung auch beim Dauerbetrieb unter Volllast abrufen konnte. Später folgten leistungsgesteigerte Motoren mit bis zu 110 PS.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h war die Unimog Baureihe 406 perfekt für den Einsatz als Strassen-Zugmaschine geeignet. Andererseits konnte er im Kriechgang mit nur 0,03 km/h betrieben werden. Eine Bandbreite, die nur wenig Wünsche offen liess.
Auch im Fahrerhaus stieg der Komfort mit der Baureihe 406. Erstmals gab es gepolsterte und verstellbare Fahrersitze. Die Ergonomie des Fahrerhauses gestaltete auch den Einsatz an langen Arbeitstagen maximal komfortabel. Das machte insbesondere die Versionen mit Ganzstahlfahrerhaus zu einem beliebten Mitglied der Bauhofflotten in Städten und Gemeinden. Aber auch bei Bauunternehmen und in der Industrie konnte die schwere Baureihe des Unimog sich innerhalb kürzester Zeit etablieren.
Bis heute im Einsatz.
Mit den Baureihen, die ab Mitte der 1950er-Jahre in Gaggenau entwickelt und produziert wurden, konnte sich der Unimog als echter Dauerbrenner am Markt positionieren. Mit Einführung der schweren Baureihe entwickelte sich die Palette der Unimog zu einem echten Komplettprogramm. Nicht nur in seinem Stammsegment, der Landwirtschaft, sondern dank seiner hohen Flexibilität und Leistungsfähigkeit auch in vielen anderen Branchen.
Das Erfolgsgeheimnis: ein überzeugendes Fahrzeugkonzept, das konsequent beibehalten und permanent mit viel Raffinesse technisch weiterentwickelt wurde. Die hohe Qualität der über viele Jahrzehnte produzierten Baureihen zeigt sich nicht zuletzt darin, dass einige der Fahrzeuge noch bis heute im Einsatz sind.

















